Nichts soll bleiben wie es war
Wir haben den Teppich aufgerollt, haben Klavier und Stühle getragen, haben Boden und Klos geputzt. Haben anhand von Fotos Klassenzimmer wieder in ihren Usprungszustand versetzt, haben selbst die Plakate auf Pinnwänden wieder angeheftet und Papierspender aufgefüllt - es soll alles sein, wie wir es vorgefunden haben, alles, wie es davor war. So ist es Schule und Hausmeister recht, so würde auch wir es uns wünschen, verliehen wir Haus und Hof bzw. Schule und Turnhalle. Nichts deutet jetzt noch darauf hin, dass vor wenigen Stunden diese Halle mit beinahe 2000 Menschen gefüllt war: die Stühle einsam, der Platz der Bühne leer und der Boden läd zum Ballsport ein. Das Haus wird sich nicht erinnern, der Boden atmet auf vor Erleichterung, die Stühle vermissen niemanden, nur der Hausmeister kennt uns flüchtig. Wir gehen und mit uns das, was war.
Und trotzdem: Wir wissen, was war. Wir waren dort. Und was geschehen, ist ein Teil von uns geworden. Was gesprochen, wurde uns zum Wort im Sinn. Was gesungen, wurde uns zur Melodie im Herzen. Was gelebt, geliebt, vergeben und geträumt wurde, das ist uns ein Stück Leben, Liebe, Vergebung, Traum und Hoffnung geworden. Wir waren dort und haben gelebt, haben nachgedacht und vorgelebt, haben uns entschieden; 547 von uns zur Nachfolge. Wir waren dort und haben geglaubt und 147 von uns haben sich zur Taufe entschieden. Wir waren dort und nun wollen 174 von uns ein Jahr für Gott geben, 46 wollen Prediger werden. Wir waren dort und mit uns geht, was war. Mit uns geht, was anders geworden ist.
Die Bibel zugeschlagen, die letzten Kleider in den Koffer geworfen und noch einmal überprüft, ob auch wirklich nichts vergessen wurde. Wir gehen, doch alles deutet darauf hin, dass wir uns erinnern werden: Wir werden nicht einsam gehen, wir werden uns erinnern, werden uns vermissen, werden uns und Jesus nicht nur flüchtig kennen. Wir gehen, doch nichts soll sein, wie es davor war.
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Ich krame meinen Zettel aus der Tasche. Darauf die Bestätigung, dass ich Gebühr für den YIMC bezahlt habe. Kurz den Zettel glatt gestrichen und dem Volunteer am Tisch gegeben. Er trägt die Nummer ein und ein kleiner Drucker summt. Ein Barcode, mein Name, eine Nummer, die verrät, wann ich mich angemeldet habe und mein Status als Volunteer, meine Gemeinde, mehr steht nicht auf dem Etikett. Etikett und Zettel in eine Plastikhülle gesteckt, an ein blaues Band gehängt und fertig ist meine Zutrittsberechtigung zum Kongress, zur Mensa, zum Schlafplatz. Und ehrlich, darüber habe ich bis jetzt nicht viel nachgedacht, bis Tobias gestern sagte, dass er nächstes Jahr nicht mehr die Registrierung übernehmen wird. Ich kam ins Grübeln. Mit dem Techniker ist es wie mit dem Arzt, man denkt nicht daran, geht nicht hin, bis etwas weh tut, etwas nicht funktioniert, etwas piept oder rumort. Was hat Tobias eigentlich gemacht? Registrierung, weiß ich, steht im Kongressheft. Seit wann? Ich glaube, immer schon, oder?
Hätte er nicht in unzähligen Stunden seiner Freizeit überlegt, getüftelt, nachgedacht, nachgebessert, nachgearbeitet und vorbereitet, wir würden im Regen stehen. Im Regen vor der Kongresshalle, der Mensa, dem Schlafsack auf dem Asphalt. Ohne Registrierung müssten wir zugeben, den Namen des flüchtigen Bekannten einfach nicht mehr zu wissen und könnten nicht in einem günstigen Moment nach dem Namen schielen. Ohne Registrierung würden manche zwei Mahlzeiten bekommen, manche keine. Ohne Registrierung kein Kongress, ach was, ohne Technik kein Kongress. Deshalb, Dir Tobias stellvertretend für alle Techniker einen herzlichen Dank. Ohne Dich, ohne euch, wäre der YIMC nicht möglich gewesen. Ohne euch stünden wir im Regen und im Dunkeln, habt herzlichen Dank.
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Abschluss und Ausblick
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Workshops Sonntag
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Drei Menschen, drei Geschichten, eine Taufe
Taufen sind wie Hochzeiten. Freudentage, hohe Zeiten, Tage, die uns spät und glücklich ins Bett sinken lassen, Tage voller Leben und Umarmungen. Taufen sind wie Hochzeiten, einander ähnlich und doch unterschiedlich durch die Menschen, die mit ihrer Einzigartigkeit jedes Protokoll zum Leben erwecken können. Der Saal wird voller Farben und Klänge, die uns die Bekehrungsgeschichten von Andreas, Jessica und Stefan erzählen: Auf ihrem Leben lastete das Grau des Alltags ohne Gott und auch Sport und Arbeit konnten nur matte Pinselstriche malen; bis Gott nach und nach rote und grüne Pinselstriche großzügig verteilte, ihr Leben erfüllte und heute vor unseren Augen die grauen Wände dieses Saals neu streicht. Dumpfe Klänge erfüllten ein Leben. Ein Leben ist durchdrungen von falschen Freunden, von Problemen, die nicht gelöst, sondern ertränkt werden. Ein Leben kann die klare, sanfte Stimme Gottes durch den Lärm nur noch leise hören. Doch Gott hat diesem Leben eine sanfte, klare Melodie gegeben. Gott hat dieses Leben aus dem Lärm gehoben und uns bei jedem Lied, das wir gemeinsam gesungen haben, eine Idee davon gegeben, wie diese Melodie klingen kann. Andreas, Jessica und Stefan haben sich heute von Gott finden lassen, sie haben Farbe und Musik in ihr Leben eingelassen und wir singen zusammen, 2000 Brüder und Schwestern. Wir singen und mit uns stimmt ein ganzes Universum ein in die Freude über Andreas, Stefan und Jessica:
Lobt Gott den Herrn ihr Völker,
Lobt alle Gott den Herrn,
Lobt Gott den Herrn ihr Völker,
Lobt alle Gott den Herrn.
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Hinter dem schwarzen Vorhang
In dem kleinen Raum sprechen die Moderatoren noch einmal ihre Zeilen durch, ändern noch Kleinigkeiten. Der Prediger blättert durch sein Skript und macht letzte Notizen. Er sitzt zwischen Kästen, wie wir sie aus dem Sportunterricht kennen, eine Langbank ist an die Wand gestellt. Instrumente verlieren sich scheinbar orientierungslos: Ein Cellokoffer auf Weichbodenmatten, Violinen auf der Langbank, das Cello selbst wird gehalten. Seine Ellenbogen sind auf die Knie gestützt, der Kopf hängt tief zwischen den Schultern, das Kinn ist auf die Fäuste gestützt. Er zerstreut sich, sammelt sich wieder, konzentriert sich, betet, betrachtet den Boden, die Hände, betet wieder.
Das Mottolied wird gesungen. Manche singen mit, eine Gitarre wird leise gestimmt. Die Plexiglasscheibe des Steuerungskastens wird zum Notspiegel umfunktioniert, die Frisur zum letzten mal überprüft. Eine Musikerin kommt und Kathrin trägt eine feine Schicht Puder auf: Die Augen geschlossen, die Haare mit einer Hand zusammengehalten wird ihr die unheimliche Blässe genommen, die wir Weißen sonst durch die Scheinwerfer auf der Bühne bekommen.
Vor dem Lied bilden die Musiker einen Kreis, neigen ihre Köpfe zueinander und beten für das Lied. Auf der Treppe zur Bühne werden flüsternd letzte Ermutigungen weitergegeben und dann geht es los: Jetzt das Lied und alles ist vergessen, jetzt nur noch das Lied. Das Licht der Scheinwerfer blendet, er sieht die Zuschauer kaum. Aber Text und Melodie kommen automatisch, die Musik entwickelt eine eigene Dynamik und er wird ruhig.
Nach dem Lied huscht ein erleichtertes Lächeln über sein Gesicht, der Gang wirkt jetzt ein wenig leichter. Man dankt sich gegenseitig für das Üben, für Geduld und Ausdauer. Sie fächert sich Luft zu, er setzt sich kurz auf einen Stuhl.
Wie viel könnten wir sehen, würden wir nur den dünnen schwarzen Vorhang wegschieben? Wie viel könnten wir sehen, würden wir all die Engel Gottes und all die kleine und großen Wunder sehen, die er vollbringt, um uns zu schützen, zu erretten! Wie hier hinter dem Vorhang viele Hände gefaltet sind, um zu beten, so auch im Himmel. Wie hier hinter dem Vorhang viele Füße laufen, um vor unseren Augen auf Gott hinzuweisen, so auch im Himmel, wo viele Füße und Flügel nie ruhen, um auf Gott hinzuweisen. Wie hier hinter dem Vorhang viele Stimmen üben, um nachher Gott zu verherrlichen, so proben auch im Himmel die Engel, um einmal mit uns Gott zu loben.
>> weitere Bilder aus der Bilderthek <<Kein Empfang!
Ihr sitzt bestimmt vor eurem PC und habt DSL, das Display des Handys zeigt vier von fünf Balken Empfang an und die Stereoanlage dudelt vielleicht. Ihr habt eine ganze Reihe von CDs im Regal stehen oder gleich unzählige Mp3s auf der Festplatte und eine Reihe Bücher neben den CDs. Wir? Wir haben kein Internet (außer natürlich wenige wie z.B. die, die den Blog schreiben ;-) und diese Schule hat interessante Fenster. Habe mir von einem Techniker erklären lassen, dass es anscheinend eine Beschichtung in den Fenstern gibt, die den Empfang der Handys stört. Das heißt im Endeffekt: In der Schule – kein Empfang. Draußen – Empfang. Beim Fenster – vielleicht. Internet? Nur draußen. Und Musik? Bei den Gottesdiensten, gemeinsam singen und sonst muss man sich mit den Mitbewohnern einigen - Steckdosen sind rar in Klassenzimmern und jeder will sein Handy aufladen; der Akku hält natürlich noch weniger als sonst, weil mein Handy erfolglos ein Netz sucht.
Am ersten Tag irritiert das schon: Keiner kann mich erreichen. Vielleicht verpasse ich jetzt den entscheidenden Anruf, oder versäume den interessanten Artikel meiner Tageszeitung, werde mein Lieblingslied nicht wie gewohnt den ganzen lieben Tag rauf und runter hören können. Am zweiten Tag vergesse ich, mein Handy aufzuladen, das ständige Netzsuchen und Nicht-finden frustriert mein kleines Handy und mich gleichermaßen. Am dritten Tag lasse ich es einfach liegen. Die Ergebnisse der Bundesliga werden sich nicht ändern, bis ich wiederkomme, Mendelssohn wird nicht mehr lebendig werden, ich werde den Paulus auch später hören können.
Vielleicht war die Idee der Architekten ja gar nicht dumm: Wenn Schüler hier sind, sollen sie sich konzentrieren können, wenig Ablenkung soll sie stören. Und weil Handys nun mal eine Versuchung sind, muss die Pause mit Empfang reichen. Ich bin mir sicher: Die Lehrer sind den Architekten dankbar.
Und vielleicht ist das auch für uns hier von Vorteil. Der entscheidende „Anruf“ kommt vielleicht erst dann, wenn ich keinen Empfang habe, wenn der Akku leer ist und die Steckdose besetzt ist. Vielleicht ist notwendig, CDs und DSL und Youtube manchmal „in die Ecke zu stellen“, um das stille, sanfte Säuseln zu hören. Vielleicht wünscht sich Gott manchmal auch, es gäbe beschichtete Fenster in seiner Schule und wir würden weniger Zeit mit Bundesliga und Tageszeitungen verbringen und mehr zur Tafel schauen.
>> weitere Bilder aus der Bilderthek <<Wer einem von ihnen Wasser gibt ...
Es ist heiß. Strahlender Sonnenschein, die Kehle trocken. Sie ist so trocken, dass Markus überlegt, ob er nicht die deutsche Reserviertheit irgendwie überbrücken kann. Ein Glas Wasser, ein Königreich für ein Glas Wasser. Markus überlegt, aber es hilft nichts, der Weg zurück zum Gelände des YiMC ist einfach zu weit, es ist Sabbat, Markus will nichts kaufen, Markus hat Durst, Markus ist mt beim Outreach am Sabbatnachmittag. Er wird es einfach probieren. Die Frau hat sie in ihr Haus eingeladen, hat die Umfrage beantwortet, sie wird ein Glas Wasser nicht verweigern: Hätten Sie vielleicht ein Glas Wasser? Man reicht eine Flasche und Gläser für Markus und seinen Begleiter. Flasche und Gläser sind bald leer und Markus sagt nach dem letzten, erfrischenden Schluck: Wissen Sie, in der Bibel steht, dass jeder, der uns einen Schluck Wasser bietet, von Gott dafür belohnt wird. Darauf die Frau: Na dann, wollt ihr auch noch einen Apfel?
Markus hat diese Begebenheit von heute gerade im Erfahrungsteil erzählt. Viele haben gelacht, über den Apfel, den Markus hochgehalten hat. Wir lachen vielleicht, weil die kleine Begebenheit einfach etwas Lustiges an sich hat: Wie ein kleiner Junge, der etwas entdeckt hat und jetzt sagt: Mensch, wenn das so ist, dann nimm doch auch das und das und das und, oh, ich hab da noch diesen kleinen Hupfball, geht der auch? Wir lachen vielleicht, aber ich glaube, Gott würde sich freuen, böten wir ihm nicht nur ein Glas Wasser, sondern auch Äpfel und Birnen, Erdbeeren, Trauben, Kirschen, Melonen und noch viel mehr. Um seinen Segen, um den heiligen Geist zu empfangen, Verständnis für sein Wort, Wunder, wenn sie Gottes Wille sind, um Veränderungen in unserem Leben zu erfahren.
Vielleicht müssen wir werden wie diese Frau, wie der kleine Junge: Jesus, ich hab das und das und das da und das? geht das auch? Ich will alles geben, wenn Du es gebrauchen kannst, wenn Du gesagt hast, Du willst mich belohnen, ich probiers aus, ich spring und schau, was rauskommt, ich geh noch einen Schritt, wenn du s gesagt hast, ich probiers.
>> weitere Bilder aus der Bilderthek <<Sabbat - Gottesdienst und Outreach
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Impressionen Aufbau/Donnerstag-Freitag
Hier ein paar zum Teil auch kuriose Bilder zum Aufbau und weitere Impressionen der ersten beiden Tage des YiMC 2011.
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